Leider muß man heute sagen, daß die Blüte der homosexuellen Kunst immer dann entstand, wenn die gesellschaftlichen Zwänge es erforderten, den männlichen Körper unter dem Deckmantel der Mythologie und Antikisierung abbilden zu müssen. Die von den heutigen Homosexuellen heraufbeschworene und als Vorbild genommene ,,griechische Liebe“ ist ein Märchen, denn hier ist lediglich die homosexuelle Beziehung eines Älteren (erastes) zu einem Jüngeren (eromenos) gemeint.

Der Jüngere mußte sich hierbei jedes Vergnügen am Sexualakt versagen und legte er die Rolle des Jüngeren mit dem 20. Lebensjahr nicht ab, so fiel er in den Rang eines Kinäden, heute würde man sagen einer Tunte, und mußte mit gesellschaftlicher Ablehnung rechnen, denn die Homosexualität zwischen Erwachsenen wurde verurteilt, während die Knabenliebe toleriert oder sogar bewundert wurde. Außerdem durfte jeder Jüngling nur einen älteren Geliebten haben, schlief er mit mehreren, dann sank er in die Kategorie der Prostituierten hinab.

Im 6. Jh. n. Chr. gestanden die Schulen auf Lesbos unter der Leitung der Dichterin Sappho jungen Mädchen gewisse Freiheiten nur als Vorbereitung auf die Ehe zu. Die Homosexualität, oder besser gesagt Päderastie, war streng pädagogisch und initiierend, sie war zeitlich begrenzt und wurde erst tadelnswert, wenn sie Iänger als bis zu einem gewissen Alter dauerte. Das was wir heute unter Homosexualität verstehen, nämlich die freie Beziehung zwischen zwei Erwachsenen, war der griechischen Kultur völlig fremd.

Die römische Kultur hingegen behandelte die Homosexualität mit völliger moralischer Gleichgültigkeit, ausgenommen waren Bürger, die sich passiv verhielten, wegen der Gleichsetzung von sexueller Passivität und politischer Unabhängigkeit.

Im frühen Mittelalter herrschte größte Toleranz. Zu erklären ist dies durch die Verkündung der ersten repressiven Gesetze durch Kaiser Justinian 533, das Christentum aber war zu diesem Zeitpunkt schon über 200 Jahre lang Staatsreligion. Erklären kann man sich die relative moralische Gleichgültigkeit der Christen im frühen Mittelalter mit dem Fehlen einer staatlichen Zentralgewalt. Das Privat leben des Einzelnen ging nur ihn etwas an.

Die homosexuelle Kultur blühte auf, bis sie im 13. Jh. ein abruptes Ende fand, denn die Inquisition wurde geschaffen als Instrument, um Meinungsabweichungen zum Schweigen zu bringen. Alle Minderheiten, alle Abweichler wurden gehetzt und verfolgt. Die Juden wurden aus Frankreich, England und Spanien verjagt, der Templerorden aufgelöst, Ketzer vor Gericht gestellt. Die Homosexuellen wurden mal mit den Moslems, den schlimmsten Feinden Europas gleichgesetzt, mal mit den Ketzern, den anderen Opfern des Volkszornes.
Die neuen Gesetze in vielen Staaten forderten für sexuelle Abweichungen in Frankreich die Kastration und den Scheiterhaufen, in Spanien den Strang. In England wurden alle, die Beziehungen zum eigenen Geschlecht unterhielten, lebendig begraben. Zwischen 1250 und 1300 wurden diese Beziehungen zu einem Verbrechen, das mit dem Tode bestraft werden konnte.

In der Renaissance entstand im Rückgriff auf die Antike und ihre Freiheiten ein bisexuelles Gegenideal, das alle durch kirchliche Moral unterdrückten Formen der Sexualität umfaßte. So wurde versucht, homosexuelles Verhalten in die zeitgenössischen Liebestheorien und Lebensweisen zu integrieren. Auffallend ist, das es sich bei den Thematisierungen der Homosexualität in der italienischen Renaissance fast durchgängig um ein Liebesverhältnis zwischen einem Jüngeren und einen Älteren, einem Mann und einem Jüngling handelt.
Auch zu dieser Zeit war die gesellschaftliche Situation von unterschiedlichen Ansichten zu Moral und Sexualität geprägt. Trotz des repressiven Klimas nach dem Konzil von Trient und einer anhaltenden Verfolgung der Sodomie gelang es freigeistigen Knabenliebhabern, Homosexualität antikisch idealisiert und als pädagogisches Interesse getarnt, zu leben. Die Kultur der Lustknaben und Kurtisanen waren Bestandteil der Kultur der gebildeten Schichten.

Konzil von Trient (1545 - 1563):
Von Paul III zur Sicherung der Einheit von Glauben und Kirche einberufen. Die Bedeutung des Konzils ist die grundlegende theologische und kirchliche Reorganisation des Katholizismus.
Die Einebnung der Geschlechtsunterschiede Iäßt auch weiterhin spielerisch homoerotische Liebeskonstellationen zu. Die Androgynen und Hermaphroditen bevölkern nicht nur die Bühnen, sondern auch die Straßen der großen Städte. Kunst und Literatur widmeten sich dem Hermaphrodismus auf dem sich Caravaggio in seinen Bildern beziehen konnte.

In der Zeit des Krieges (1792 - 1815), des Klassizismus, wurden Jünglinge so unkriegerisch wie möglich dargestellt, besonders in Frankreich, einer Nation, die 20 Jahre auf den Schlachtfeldern dabei war. Merkwürdigerweise wurden gerade in einer Zeit, in der man sich dem militärischen Ehrgeiz und der kriegerischen Leistung verhaftet glaubte, so viele zartgliedrige Jünglinge in verliebter Hingabe gemalt. Daß sich so viele Maler so einmütig dem Thema der Homosexualität zuwandten, bleibt ohne eine philosophische Begründung unverständlich. Jene Epoche von Krieg, Gewalt und Napoleon selbst, wie seine Vorliebe für Kastraten-Sänger zeigt, hatten eine richtige und tiefer gehende Vorstellung davon, was ein echter Held ist: Kein militärischer Rohling, kein Muskelheld, sondern im Gegenteil jemand, der in sich auch weibliche Züge trägt. Um göttlich zu sein, kann der Held nicht einem einzigen Geschlecht angehören.

In der klassizistischen Malerei finden sich zwei Arten von bevorzugten Figuren, zum einen sind da die Gestalten von elegischer Anmut, hingegeben oder ekstatisch, schlafend oder tot. Zum anderen gibt es die kriegerischen Helden.
Auch beim größten Maler seiner Zeit, JaquesLois David (1748 - 1825) wird ein doppeltes Streben sichtbar: Zum kriegerischen Heldentum, zu homosexuellen Freuden. Ein Beispiel ist ,,der Tod des Patraklos“. In der Mitte des weiten Schauplatzes, den Soldaten, Priester und Pferde bevölkern, die Szenerie der Illias, weint Achill in Panzer, Helm und Federbusch über dem halbnackten Körper seines Liebhabers auf seinen Knien. Im Mittelpunkt der großen Militärzeremonie ein Bild von größter Intimität.

Zu Davids berühmtesten Bildern zählt ,,Die Sabinerinnen“ (1799, Öl auf Leinwand, 386 cm x 520 cm). Er verherrlicht die kriegerische Tugend, gleichzeitig jedoch ist eine offensichtlich homosexuelles Element eingefügt. Ein Römer steht in Rückenansicht im Bildmittelpunkt und dessen Schild gibt sein nacktes Gesäß frei. Links steht ein junger, ebenfalls nackter Sabiner.

Etwa hundert Jahre lang verschwanden griechische Vorbilder, bis sich um 1930 eine verstärkte Rückkehr nackter Männer in der Kunst in Europa, besonders in den beiden Diktaturen, abzeichnete. In Deutschland machte Hitler die sportliche Nacktheit junger Arier zum Symbol des Regimes. Die Cineastin Leni Riefenstahl begann ihren Film „Olympia“ zum Ruhme der Olympischen Spiele in Berlin mit einer im Zeustempel in Olympia gedrehten Sequenz: Nackte Athleten symbolisieren das ewige Griechenland, dies ist ein Mittel, die griechische Abstammung Hitlerdeutschlands zu verherrlichen. Nazi-Künstler behandelten oft Themen, die auf antiken Mythen basierten.

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